Leserbrief

Leserbrief

Zu: „Lieber Betonkopf als ausländerfeindlich“, „Kinder und Enkel müssen den Egoismus ausbaden“ und „Ist unser Wäldchen wirklich nicht zu retten?“

 

Kita-Standortfrage ist nicht alternativlos

Es ist mehr als unbefriedigend zu sehen, dass die Standortfrage der neuen Kita immer noch für erhitzte Gemüter sorgt. Ohne Frage ist, dass schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden muss, damit die Planungen vorangehen und der Bau der neuen Einrichtung starten kann. Kinder und Eltern brauchen hier endlich Planungssicherheit! Gleichzeitig ist aber festzustellen, dass die Entscheidung hierüber, nicht zuletzt durch das Zurückhalten von Bodengutachten, immer noch nicht final getroffen wurde. Der von vielen Parteien bevorzugte Standort im Wäldchen wird zu Recht von Anwohnern und besorgten Bürgern infrage gestellt.

Anders, als oft dargestellt, ist das Wäldchen immerhin 4.200 m2 groß und damit die größte zusammenhängende Waldfläche in der Kernstadt. Es ist ein kleines Biotop, das aus vielen wertvollen Bäumen und Pflanzen besteht. Es gibt dort Baumhäuser und Tipis der Kinder und die Schule nutzt es für Naturanschauungsunterricht. DieBürgerinitiative säubert das Waldstück überdies regelmäßig. Und auch wenn es dort keine bedrohten Arten gibt, so sollte man in jedem Fall andere, geeignete Standorte präferieren, statt bis zu 50 Jahre alte, gesunde Bäume zu fällen und stattdessen Ersatzpflanzungen andernorts vorzunehmen. Schließlich wird erst mit zunehmendem Alter vermehrt CO2 verbraucht und im Holz gespeichert. Alte Bäume sind also besonders wichtig – daher sollten wir für ihren Erhalt sorgen!

Der alte Sportplatz ist aus meiner Sicht eine wirkliche Alternative. Auch das Argument seitens der Stadtverwaltung, dass die Kosten für einen Kitabau auf diesem Gelände deutlich höher seien, wurde durch eine Höhenvermessung und ein auf mehrfache Nachfrage endlich öffentlich gemachtes Bodengutachten von 2018 entkräftet. So muss der Boden des alten Sportplatzes aus Gründen des Hochwasserschutzes lediglich um 21 Zentimeter mit verdichtungsfähigem Recyclingmaterial aufgefüllt werden. Auch wichtige Infrastruktur ist bereits in der Umgebung vorhanden. Der Neubau der geplanten Kita könnte dort also in kürzester Zeit starten. Für den Bau auf dem Gelände des Wäldchens muss hingegen die komplette Fläche gerodet, die Wurzeln bis in eine Tiefe von vier Metern ausgebaggert und dann mit Natursteinmaterial ersetzt und verdichtet werden. Damit ist dieser Standort sogar kostenintensiver und zeitaufwendiger.

Dass der Standortvorschlag des Wäldchens beim FC Inter, der in den letzten Jahren das in den 1940er Jahren vom SV Reichelsheim angelegte Gelände des alten Sportplatzes als Trainingsgelände nutzt, nicht auf ungeteilte Zustimmung trifft, ist natürlich zu verstehen, wenn auch die Diskussion hier teilweise etwas hitzig geführt wird, denn mit Ausländerfeindlichkeit hat das ganze Thema nun wirklich nichts zu tun. Als Vorsitzender des SV Reichelsheim kann ich sagen, dass wir und auch die umliegenden Sportvereine dem FC Inter für diesen Fall bereits angeboten haben, unseren Sportplatz mit zu nutzen. Langfristig streben wir jedoch die Umsetzung unseres Antrags an die Stadt aus dem Jahr 2017 an, in dem sich alle Vereine dafür aussprechen, eine moderne Gemeinschafts-Sportanlage zu schaffen. Dies ist bisher leider am damaligen Bürgermeister gescheitert, der sich geweigert hat in dieser Richtung aktiv zu werden. Dabei gibt es Fördermittel des Landes in Höhe von bis zu 90 Prozent der Investitionskosten, wie dies das Beispiel der Nachbargemeinde in Büdingen zeigt.

Die Standortfrage der neuen Kita sollte daher auch vor dem Hintergrund des Klima- und Umweltschutzes abschließend entschieden werden. Gerade in Zeiten der aktuellen Klimaentwicklung ist es wichtig, Maßnahmen im Hinblick auf stadtökologische Folgen noch einmal zu überdenken.

 

Cenk Gönül

Freie Wähler Reichelsheim

T +49 171 424 213 1

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